Richard Lower, Ölgemelde von Jacob huysmans.
Richard Lower, Ölgemälde von Jacob Huysmans (Flämischer Maler, 1633-1696).

Richard Lower (geboren 1631, gestorben am 17. Januar 1691 in London) war ein englischer Art und Physiologe. Als Arzt soll er mit seinen Schriften und Experimenten die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft stark beeinflusst haben. Richard Lower war der Erste, der sich mit der Frage beschäftigte, ob sich das Blut verschiedener Tiere miteinander vertrage. Auf der Suche nach einer Antwort führte er im Jahre 1666 die erste gelungene Bluttransfusion zwischen zwei Hunden durch. Er führte auch eine Xenotransfusion zwischen Mensch und Tier durch.

Bekannt wurde er vor allem für seine Arbeiten über Transfusionen und über die Funktion des kardiopulmonalen Systems (Tractatus de Corde).

Zeitleiste Leben Richard Lower

  • 1631 geboren in St. Trudy (Cornwall)
  • Studiert in Cornwall, trifft hier John Locke.
  • Wechselt nach Oxford.
  • MA (1655), Promotion in Medizin (1665).
  • 1666 Lower folgt Willis nach London und eröffnet dort eine Arztpraxis. Seine Forschungen setzt er zunächst fort.
  • 1666 erste Bluttransfusion zwischen zwei Hunden.
  • 1667 Bluttransfusion zwischen Mensch und Schaf.
  • Oktober 1667 Mitglied der Royal Society.
  • 1669 Veröffentlichung des Tractatus de Corde.
  • Ab 1675 weniger Zeit für Experimente, da sich Lower mehr um seine Arztpraxis kümmern muss.
  • Tritt dem Royal College of Physicians bei. Gilt nach Willis Tod als bester Arzt Londons.
  • Leibarzt von König Karl II.
  • 1691 stirbt Richard Lower an einem Fieber in London.

Werdegang und Leben von Richard Lower

Geboren wurde er in St. Trudy (Cornwall) als zweiter Sohn einer wohlhabenden Familie (Vater: Humphrey Lower, Mutter: Margery Billing). Richard Lower studierte an der Westminster School. Er war nicht nur ein Zeitgenosse von John Locke, sondern lernte den englischen Arzt, einflussreichen Philosophen (Vater des Liberalismus) und Vordenker der Aufklärung (1632-1704) auch in Westminster kennen. Lower machte dann am Christ Church College (Universität Oxford) im Jahr 1655 seinen Magister-Abschluss (MA). Im Jahr 1665 folgte die Promotion in Medizin (M.D.). Für das Christ Church College Oxford hatte Lower im Jahre 1649 ein Stipendium gewonnen

In Oxford war Richard Lower dabei ein Schüler von Thomas Willis (Professor für Naturphilosophie, englischer Arzt, Begründer der Anatomie des Nervensystems, Mitbegründer der Royal Society of London, 1621-1675). Mit Willis unternahm Lower physiologische Experimente, seinem Lehrer folgte er auch nach London. Dort unternahm er auch Forschungen in Partnerschaft mit Robert Hooke (1635-1702, englischer Universalgelehrte, war nicht nur als Astronom, sondern auch als Vermesser und Architekt tätig). Aus Oxford kannte er auch andere Wissenschaftler wie Robert Boyle, William Petty und  Christopher Wren (britischer Astronom und Architekt). Er war zudem ein Student des Chemikers Peter Stahl.

Aus dieser Zeit in Oxford resultierte auch das Werk von Thomas Willis Cerebri anatome (eine erste detaillierte Beschreibung des Gehirns und der Nerven), illustriert eben von Christopher Wren und basierend auch auf den akribischen anatomischen Forschungen von Lower, der eben als Assistent von Willis tätig war.

Erste gelungene Bluttransfusion bei zwei Hunden

Richard Lower beschäftigte sich unter anderem auch mit der Frage, ob sich das Blut verschiedener Tiere miteinander verträgt. Im Februar 1666 gelang ihm dann die erste Bluttransfusion bei zwei Hunden (es war zugleich die erste erfolgreiche Bluttransfusion überhaupt). Allerdings ist erfolgreich relativ zu sehen und wird sicherlich hier nicht aus der Sicht des Hundes bewertet, denn die Transfusion wurde so lange fortgesetzt, bis beim Spenderhund der Tod eintrat. Immerhin soll sich der Empfängerhund von dieser Bluttransfusion erholt haben. Von Blutgruppen bei Hunden hatte man damals erst recht keine Ahnung. Immerhin war seit 1628 und den Forschungen von William Harvey der Blutkreislauf bekannt. Denn der Gedanke der Blutübertragung, den gab es bereits im Altertum.

Eine Bluttransfusion wie heute mit Beuteln war es wohl nicht. Damals wurde das Blut per Spritze entnommen und per Spritze dem Empfänger dann zugeführt.

Bluttransfusion Schaf auf Mensch – Xenotransfusion

Im 17. Jahrhundert war das System unterschiedlicher Blutgruppen beim Menschen noch nicht bekannt, das auch Menschen und Tiere ein höchst unterschiedliches System haben, auch nicht. Und so machte Richard Lower mit seinen Experimenten weiter. Im November 1667 unternahm er dann einen weiteren Versuch, diesmal nicht mit Hunden, sondern mit einem Menschen und einem Schaf (Xenotransfusion). Gemeinsam mit Edmund King (ebenfalls ein Mitglied der Royal Society) nahm man einen Freiwilligen (Arthur Coga), dem man das Blut eines Schafes transfundierte. Ziel war es wohl das Temperament des als exzentrisch geltenden Theologiestudenten zu mildern. Zwei Transfusionen bekam Arthur Coga verpasst. Man kann sicherlich als Erfolg werten, dass dieser diese Prozedur überlebte. Sein Temperament blieb aber so wie es zuvor gewesen war (in diesem Sinne also eher ein Fehlschlag). Ähnliche Experimente gab es auch in Frankreich und Italien. Bereits im Juni 1667 war einem 15jährigen Lammbrut gespritzt worden. Auch er überlebte. Was nicht selbstverständlich war, denn es gab auch Experimente mit Schafsblut, bei dem die Patienten nicht so viel Glück hatten.

In Frankreich wurden diese dann aus medizinischen und theologischen Bedenken aber verboten.

Erste Bluttransfusion Mensch zu Mensch

Robert Lower beschäftigte sich zwar mit der Bluttransfusion zwischen Hunden und mit der Transfusion von Tier zu Mensch, eine erfolgreiche Transfusion zwischen zwei Menschen nahm er aber nicht in Angriff. Zum ersten Mal Blut von einem Menschen auf einen anderen übertragen wurde am 1. September 1818 von Dr. James Blundell im Londoner Guys Hospital, also vor ca. 200 Jahren. Dafür entnahm englische Geburtshelfer mehreren Spendern je einen halben Liter Blut per Spritze und führte diese dann dem Empfänger zu. Die Transfusion selbst war wohl erfolgreich, dennoch starb der Empfänger. Erst 1825 gelang ein durchaus erfolgreicher Versuch mit einer Frau, die ansonsten in Folge eines Blutverlustes nach einer Geburt gestorben wäre.

Tractatus de Corde

Im Jahr 1669 veröffentlichte Richard Lower seinen Tractatus de Corde. In dieser Abhandlung über Herz und Lunge zeigte er, dass die hellrote Farbe arteriellen Bluts aus Aufnahme von Stoffen der Luft stammt. Lower war der Erste, der den Unterschied venösen und arteriellen Blutes bemerkte. Seine Beobachtungen über die Zirkulation und Transfusion von Blut führten zu einigen der bedeutendsten Entdeckungen in der Geschichte der Medizin (Durchblutung). Er gilt auch immer noch als einer der besten Ärzte Oxfords. Er studierte auch mit Willis das Nervensystem und untersuchte die Zirkulation von Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit. Dabei widerlegte er – mit Hilfe von wissenschaftlichen Experimenten – unter anderem die zu seiner Zeit gängige Annahme, Sekretionen der Nase stammten aus dem Gehirn (veröffentlicht 1672 in seinem letzten wissenschaftlichen Werk).

Sein Werk Tractatus de Corde begründete Lowers Ruhm als Wissenschaftler. Dieses Werk gilt wohl vielen als erste große Abhandlung über die moderne kardiologie nach der Arbeit von william Harveys einige Jahre zuvor. In seinem Werk war Lower zudem der Erste, der den Begriff der Hämatose definierte.

Blutkreislauf

Mit Blut und Blutgefäßen kannten sich bereits Ärzte der antike aus, wie zum Beispiel Galenos. Bereits er konnte dunkleres venöses von arteriellem Blut unterscheiden. Allerdings schrieb Galen dem Herz keine Pumpfunktion zu. Dieses auge das Blut in der Diastole ein. Der arabische Arzt und Anatom Ibn an-Nafis entdeckte dann im 13. Jahrhundert, das Blut in einem Kreislauf durch die Lunge fließt. Nach Europa gelangte diese Erkenntnis aber wohl nicht. Hier nahm man noch lange an, dass das Blut im Herz geildet werde und von dort ins Gewebe sickere. Erst 1628 war es William Harvey, der den Blutkreislauf zutreffend beschreiben konnte. Damit löste er die 14 Jahrhunderte lang dauernde Lehre Galens als medizinische Lehrmeinung ab. Er fand sie in der Kreislauftheorie, die er 1628 veröffentlichte. Diese Arbeit begann die Fachwelt zu überzeugen. Wie das Blut vom arteriellen in den venösen Schenkel kommt, konnte allerdings erst 1661 Marcello Malpighi mit seiner Entdeckung der Kapillaren erklären.

Aufnahme in die Royal Society

Am 17. Oktober 1667, also vor seinem Experiment mit Mensch und Schaf, wurde Richard Lower auf Vorschlag von Seth Ward in die Royal Society (Königliche Gesellschaft, eine 1660 gegründete britische Gelehrtengesellschaft zur Wissenschaftspflege) aufgenommen.

Weniger Zeit für Forschung und Experimente

Thomas Willis stirbt 1675. Von da an hat Richard Lower weniger Zeit für Experimente, seine Arztpraxis, der er bereits im Jahr 1666 in London eröffnet hatte, nimmt in zu sehr in Anspruch. Dabei war Richard Lower auch Leibarzt des englischen König Karl II. (1630-1685). Nicht verwunderlich, schließlich gilt er nach dem Tod von Willis als bester Arzt Londons und tritt auch dem Royal College of Physicians bei.  Zwar behandelte Lower den König auch 1685. Er konnte aber nicht verhindert, dass Karl nach kurzer Erkrankung an Harnvergiftung (Urämie) starb. Als Jakob II. den Thron bestieg, schied Lower als Hofarzt aus.

1678 hat er keine Zeit mehr für seine Teilnahme an der Royal Societys Forschungsarbeit. Allerdings verliert er im gleichen Jahr auch einen Großteil seiner Patienten aus politischen Gründen. Er selbst ist antikatholisch und stellt sich während der Krise in Großbritannien auf die Seite der Whig-Fraktion. Als der katholische König Jakob II. zugunsten von Wilhelm I. von Oranien und Maria II. Stuart abgesetzt wird (die beiden besteigen gemeinsam 1689 im Zuge der Glorious Revolution den englischen Thron), wird er aber Berater der Krone.

1691 stirbt er im Alter von ca. 60 Jahren an einem Fieber in London. Begraben wird er in Cornwall.

Zum Weiterlesen und verschiedene Quellen:

Auf der Seite der Royal Society erfährt man zum Beispiel, dass Richard Lower ab 1675 wohl kein Mitglied mehr der Royal Society wegen Zahlungsrückstanden oder Nichtzahlung des Mitgliedsbeitrages war. Ab diesem Jahr kümmerte er sich auch mehr um seine eigene Arztpraxis. Man erfährt aber auch allerhand Persönliches. Es sind nicht nur die Namen seiner Eltern aufgeführt, man erfährt auch, dass er eine Elizabeth, Tochter von John Billing of Hengar, Witwe eines Samuel Trelawney heiretat.

An Instance of the Fingerpost

In der Novele An Instance of the Fingerpost von Iain Pears aus dem Jahre 1997 ist Richard Lower neben John Locke, Christopher Wren und Robert Boyle einer der Protagonisten. Der historische Mystery-Roman spielt im Oxford des 17. Jahrhunderts. Gesucht wird der Mörder von Robert Grove. Dabei wird von vier unterschiedlichen (und auch allesamt unzuverlässigen) Erzählern über diesen erzählt. Schauplatz des Romans ist das Jahr 1663. Nach dem englischen Bürgerkrieg wurde eben die Monarchie restauriert, allerdings gilt die Autorität von König Karl II. als noch nicht geklärt. Es gibt Verschwörungen im Überfluss. Die meisten Charaktere dieses Romans sind dabei historische Figuren.