Sichere Bindung zum Hund aufbauen.
Eine starke und sichere Bindung zum Hund aufbauen – das erleichtert das Zusammenleben sehr.

Eine starke und sichere Bindung zum Hund aufbauen, dass möchte jeder, der sich auf das Abenteuer Vierbeiner einlässt. Denn eine starke Bindung ist nicht nur etwas Wunderbares, es erleichtert auch das Miteinander und fördert auch den Gehorsam des Hundes.

Es ist sicherlich für jeden Hundebesitzer eine Horrorvorstellung, dass sich der eigene Hund einfach von einem Fremden weglocken lässt. Da hofft man als Zweibeiner mindestens auf ein Kilogramm frisches Rinderfilet in den Händen des Verführers, um eine logische Begründung für die Treulosigkeit des besten Freundes zu finden. Aber dieser ist gar nicht treulos, oft ist gar keine Bindung vorhanden, oder die Bindung ist einfach nicht stark genug. Wie kann man aber die Bindung verstärken? Um an einer starken Bindung zu arbeiten, sollte man zunächst wissen, wie Mensch und Hund überhaupt ein starkes Team werden.

Bindung und Beziehungen für den Hund

Die Beziehung zum Menschen ist für den Hund ein wichtiger Punkt, eine gute Bindung ein fester Anker.

Bindungen und Beziehungen wichtig für das Rudeltier Hund

Für einen Hund, der von Natur aus in einem Rudel oder auch in einem Familienverband aufwächst und lebt, haben Bindungen gerade innerhalb dieses Verbandes einen hohen Stellenwert. Das kann man auch beobachten, wenn eine Hündin ihre Welpen aufzieht. Sie kümmert sich innerhalb ihrer Kleinfamilie um Sicherheit ihres Nachwuchs, füttert ihn und bringt den Welpen erstmal alles wichtige bei. Bzw. der Welpe lernt durch Nachahmen. Das Vorbild kann die Mutter sein, oder auch andere Hunde.

Für Hunde ist es also nichts Ungewöhnliches, Eltern und Vorbilder zu haben. Ebenso wie der Welpe sich auf seine Eltern verlässt, wissen seine Eltern, was ihre Aufgabe ist. Heute ist es meist so, dass Welpen mit 8, hoffentlich erst mit zwölf Wochen, von ihrer Mutter getrennt werden und ein neues Zuhause (einen neuen Familienverband) finden.

Spätestens jetzt versucht sich ein Mensch daran, eine Bindung zu diesem kleinen Hund aufzubauen. Meist wird aber bereits der Züchter Bindungsaufbau zum Welpen betrieben haben.

Beziehung vor Bindung

Unbestritten ist, dass jeder Mensch zu seinem Hund eine Beziehung hat. Wir haben auch Beziehungen zu Hunden, die nicht uns gehören, spätestens dann, wenn wir mit ihnen kommunizieren. Sogar wenn wir ein Zusammentreffen vermeiden (wollen).

Eine Beziehung ist ja nicht immer etwas Positives oder Gutes oder gar Tiefergehendes. Dennoch ist eine Beziehung Voraussetzung für eine Bindung. Aber nicht aus jeder Beziehung wird eine Bindung. Manchmal wird nur eine schwache, unsichere Bindung daraus, obwohl man sich eben eine starke und sichere wünscht.

Aber wie kommt von Beziehung zu Bindung und wie kann man diese sicher und stark machen?

Wann aus Beziehung eine Bindung wird?

Im Idealfall kann aus einer Beziehung eine Bindung werden. Ein Hund wird diese meist zu dem Menschen aufbauen, der wichtig für ihn ist. Wer jetzt hofft, dass mit einem gut gefülltem Fressnapf und einem steten Regen an Leckerlis dann Thema abgearbeitet wäre, wird leider enttäuscht. Für den Hund sind Sicherheit, sogar Chancen auf Persönlichkeitsentwicklung wichtiger als ein gefüllter Bauch.

 

Was eine starke Bindung Hund-Mensch ausmacht

Starke Bindung aufbauen - Hund Sicherheit geben.
Starke Bindung aufbauen – Hund Sicherheit geben.

Wie stark eine Bindung eines Hundes zu einem Menschen ist, hängt davon ab, welche Bedeutung dieser Mensch für ihn hat. Ist der Mensch unwichtig, wird auch keine Bindung aufgebaut, es bleibt bei der (vielleicht sogar nur losen) Beziehung. Spielt der Mensch aber eine wichtige Rolle für den Vierbeiner, dann wird seine Bedeutung höher, die Bindung stärker. Wie wichtig die Rolle ist, die ein Mensch für den Vierbeiner spielt, ist dabei aus Hundesicht zu betrachten. Für den Hund hat die Frage, wer sein Besitzer ist und die Tierarztrechnung bezahlt oder das Hundefutter kauft, keine Priorität. Einfach nur einen Hund zu kaufen, ist noch keine Leistung aus Hundesicht.

Ihm alles zu erlauben, bringt einen übrigens auch nicht weiter. Hunde lieben Grenzen, denn Grenzen bedeuten Sicherheit. Ein Hund, der alles darf, hat keine Grenzen.

Vorbilder sein und den Hund fördern

Um eine starke Bindung zu erhalten, müssen wir in die Rolle der Elterntiere schlüpfen. Insbesondere zu seiner Mutter hat der Welpe ja naturgemäß eine enge Bindung. Wenn nun der Mensch für seine Sicherheit sorgt, wie es zuvor seine Mutter getan hat, dann ist das schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Zur Bindung gehört aber eben mehr als ein warmes Nest und ein voller Napf, es gehört auch lernen und lehren dazu. Denn ebenso wie der Hund von seiner Mutter lernen wollte, will er auch von uns lernen. Denn nur wenn er alles lernt, kann er im Leben bestehen. Wir müssen ihn also nicht nur satt bekommen und warm halten, wir müssen auch wichtig für seine Persönlichkeitsentwicklung werden, damit wir eine starke Bindung bekommen. Wichtig sind.

Oft übernimmt der Hund unseren Job

Gerade bei Hunden kleiner Rassen oder bei Hunderassen, die als friedlich und leicht zu führen bekannt sind, passiert es, dass die Rollenverteilung – zumindest aus der Sicht des Hundes – auf den Kopf gestellt ist. Zwar kann Herrchen und Frauchen den Kühlschrank öffnen und den Fressnapf füllen, aber alle anderen Jobs übernimmt der Hund. Er sorgt für die Sicherheit der Familie und beschützt alle. Nicht immer muss dies zu großen Konflikten innerhalb des Rudels oder Familienverbandes führen, es gibt sicherlich Hund-Mensch-Gespanne, die mit diesem Konstrukt, das der Hund der Beschützer ist und alle Ansagen macht, jahrelang gut klar kommen. Es kann aber auch eine explosive Mischung werden. Ist zum Beispiel ein kleiner Hund der Aufpasser, dann bellt dieser und fletscht die Zähne, wenn er an der Leine ist. Da er mit seinen sechs, sieben, acht Kilo aber mit der Leine gut in Schach gehalten werden kann (von unter Kontrolle kann man kaum reden), fällt dieses Manko kaum ins Gewicht. Man kann damit leben.

Ist es ein 40 Kilo Hund, dann wird es schon schwieriger. Ist es noch eine Rasse, die von anderen Menschen argwöhnisch betrachtet wird, dann sind Konflikte mit der Außenwelt vorprogrammiert. Wobei dann auch wieder Vermeidungsstrategien greifen können, wie besondere Gassigeh-Zeiten, um bloß nicht zu vielen anderen Hunden über den Weg zu laufen etc. Das aus einem solchen Mensch-Hund-Verhältnis keine sichere Bindung entsteht, dürfte auch klar sein.

Nicht der volle Napf macht die gute Bindung

Es gibt eine Bindungstheorie aus dem Bereich von uns Zweibeinern, die besagt, dass nicht Essen und Trinken wichtig sind, um einen Bindungsaufbau zu fördern, sondern Sicherheit. Uns ist Sicherheit wichtig, als ein voller Magen. Das gilt auch für Tiere bzw. Hunde. Es reicht also nicht für einen vollen Napf zu sorgen, die Strategie den Hund mit Leckerchen zu verwöhnen, sorgt nicht für eine starke Bindung. Wir können uns die Liebe unseres Hundes also nicht mit Leberwurst erkaufen. Wir müssen Vorbild sein, ihn artgerecht beschäftigen und ihn auch Hund sein lassen.

Handfütterung und zu viele Leckerlis

Gerade bei Hunden wird gerne auf Handfütterung gesetzt, um die Bindung zu erhöhen. So einfach ist es (leider) nicht. Wie bereits gelesen, wird beim Aufbau einer Bindung Sicherheit höher bewertet als ein voller Magen. Handfütterung macht, wie jede andere Art der Fütterung, aber nur satt. Nicht sicher. Handfütterung alleine bringt uns nicht weiter, wenn wir eine möglichst starke Bindung zu unserem Hund möchten. Mit dem Leckerchen in der Hand wird auch mehr dressiert als gelehrt. Da der Hund aber mehr lernen möchte, als dressiert zu werden, kann ein Zuviel und ständiges geben von Leckerlis den erfolgreichen Aufbau einer Bindung sogar im Wege stehen.

Bindungstypen Mensch-Hund in der Übersicht

Die Bandbreite wie sicher bis unsicher die Bindung zwischen Mensch und Hund sein kann, ist breit. Der Idealfall ist natürlich die sichere Bindung.

Zu wem baut ein Hund eine starke Bindung auf?

  • Bevorzugt werden Bezugspersonen, die keine Gefahr darstellen.
  • Die Person sollte zu dem noch Sicherheit vermitteln.
  • Der Mensch sollte dem Hund auch etwas beibringen können.
  • Und seine Persönlichkeitsentwicklung unterstützten.
  • Berechenbar und vorhersehbar sollte dieser Mensch auch sein.

Hier mal die wichtigen Bindungstypen Hund-Mensch kurz vorgestellt. Wer sich nun enttäuscht in der „falschen“ Gruppe wiedererkennt: Man kann immer an sich arbeiten. Und damit kann man auch immer an der Bindung zum Hund arbeiten. Und sicherlich sind die Übergänge auch fließend.

Sichere Bindung.

Hier passt alles. Der Hund sieht uns als Beschützer, traut uns den Job auch zu und er ist nicht nur gerne mit uns zusammen, er orientiert sich auch an uns. Der Hund kann sich mit uns identifizieren.

Unsichere Bindung.

Nicht die schlimmste Bindung, die Hund und Mensch haben können, denn immerhin hat unser Hund keine Angst vor uns. Aber Vorbild sind wir schon mal nicht und mit Sicherheit auch niemand, der den Hund beschützt. Zumindest traut er es uns nicht zu. Ein solches Bindungsverhalten kann aber hochexplosiv werden, wenn der Hund nach außen unseren Job übernimmt und sich zum Beispiel gegenüber anderen Menschen oder Hunden als Beschützer aufschwingt.

Unsicher vermeidende Bindung.

Hier ist die Bindung so gestört, dass der Hund dem Menschen lieber aus dem Weg geht. Knallt es, dann flüchtet der Hund dann auch an einem vorbei irgendwo hin und nicht zu uns. Der Hund befindet sich fast schon auf der Dauerflucht vor uns. Zumindest versucht er Konflikten aus dem Weg zu gehen. Er duckt sich, aus Angst geschlagen zu werden, wenn wir ihm nur das Halsband anlegen wollen.

Ambivalent-unsichere Bindung

Hier wird der Hund komplett alleine gelassen in seiner Deutung unseres Verhaltens. Einmal stört uns ein Verhalten bei ihm nicht, mal doch. Er darf etwas zehn Mal tun, beim elften Mal explodiert sein Mensch.

Ambivalentes Verhalten zeigen wir sicherlich immer mal: Da stört es uns nicht, wenn wir abends auf der letzten Runde noch ein paar Meter weiter gehen, um den Hund noch mal die letzte Gelegenheit für sein Geschäft zu geben. Solange das Wetter gut ist, lächeln wir bei den Extraschritten. Ist es eiskalt, dann maulen wir, warum es denn jetzt schon wieder so lange dauert. Oder der Klassiker: Der saubere und trockene Hund darf auf die Couch, der gleiche Hund mit nassem Fell aber nicht. Auf den ersten Fall nur inkonsequentes Verhalten, der Hund kann damit erst mal nichts anfangen. Häuft es sich, kann es zu Problemen führen.

Ein gefestigter Hund, dem wird das kaum etwas ausmachen, ein Welpe oder ein Hund, der gerade erst zu uns gekommen ist, weiß gar nichts damit anzufangen, aus deren Sicht handeln wir komplett unlogisch. Und Unlogik ist kein Begriff, der sich aus Hundesicht mit Sicherheit verknüpfen lässt.

Eine ambivalent-unsichere Beziehung ist mehr als eine wechselnde Meinung. Oft lebt der Zweibeiner mit dem Vierbeiner nebenher, dem Hund wird ein Platz unter dem Dach geboten, ein Napf mit Fressen, er soll aber bitte nicht lästig werden. Wenn ein solcher Hund etwas gut kann, dann ist es, Platz machen und unsichtbar zu sein.

Desorientierte Bindung.

Es gibt auch den Begriff desorientierte Bindung (auch desorganisierte Bindung). Entsteht meist, wenn sich der Mensch aus Hundesicht total unterschiedlich verhält. Überspitzt: Er verwöhnt den Hund erst und brüllt ihn dann an. Mal ist der Hund der kleine Prinz, die kleine Prinzessin, die verwöhnt wird, manchmal der vierbeinige Teufel in einer Person. Die Folge ist eine Desorientierung. Aber nicht nur sehr ambivalentes Verhalten kann zu einer desorganisierten Bindung zwischen Mensch und Hund führen, auch ständig wechselndes Verhalten. Mal versuchen wir den Hund mit dem Clicker zu ködern, dann mit Leckerchen, mal folgen wir diesem Erziehungsstil, mal jenem.

Wie bauen wir nun aber eine starke Bindung auf?

Um eine starke und sichere Bindung zum Hund aufzubauen, müssen wir vor allem an uns und unserem Verhalten arbeiten.

 Eigenes Verhalten ändern – Aufmerksamkeit gehört dem Hund

Aus einer Beziehung eine Bindung zu machen, das ist nicht so schwierig, wie wir an den oben genannten Bezeichnungen feststellen, die wir uns sicherlich nicht für unsere Bindung zum eigenen Hund vorstellen. Wir wünschen uns immer eine starke, gemeint ist damit sichere Bindung zu unserem Vierbeiner. Wir möchten mit unserem Hund durch dick und dünn gehen und wir müssen dafür unserem Hund eben vermitteln, dass er das auch ohne Gefahr kann.

Der Weg dahin ist nicht schwierig, nur teilweise müssen wir auch komplett umdenken. Er kann also langwierig sein. Eine Leine kann zum Beispiel ein Instrument sein, den Hund an unsere Seite zu halten, ihn anzubinden und ihn in seiner Bewegung einzuschränken. Sehen wir die Leine so, dann bedeutet ohne Leine natürlich auf den ersten Blick Freiheit. Aber: Eine Leine kann dem Hund auch Sicherheit vermitteln und ihm Verantwortung abnehmen. Schließlich entscheidet derjenige, der die Leine in der Hand hat, wo das Gespann lang geht und ob man sich etwas ansieht. Da ist eine Kiste auf dem Gehweg, die gestern noch nicht da war? Die meisten Hunde werden sicherlich die Konfrontation lieber vermeiden, wir können uns diese aber auch gemeinsam ansehen. Oder einfach gehen. Unsere Entscheidung. Dem Hund wird sie abgenommen.

Vorausschauend handeln

Wir müssen agieren statt nur zu reagieren. Das heißt eben auch vorausschauend handeln, Gefahren erkennen, ehe der Hund sie erkennt und darauf reagiert. Wenn wir es dann noch schaffen, dem Hund Selbstsicherheit zu vermitteln, dann sind wir auf einem guten Weg. Das ist schwierig mit dem Handy in der Hand, wenn wir mit dem Hund unterwegs sind, sollte diesem auch die ganze Aufmerksamkeit gehören. Wir sind mit dem Hund unterwegs und nicht zum Schwätzchen mit anderen Hundebesitzern.

Wir gehen voran

Wenn wir unterwegs sind, sollten wir auch den Hund nicht voranstürmen lassen, schon gar nicht, wenn wir auf neuen Wegen laufen. Es ist unser Job, nicht nur die Richtung vorzugeben, sondern eben potentielle Gefahren zu erkennen. Wie soll das gehen, wenn der Hund drei Meter voranmarschiert? Und wer checkt einen Gegenüber ab, wenn er erst vom Hund beschnuppert und begrüßt wird? Wir ja dann wohl nicht. Wir gehen natürlich nicht voran, wenn von hinten das Unbekannte lauert, dann sichern wir unseren Hund nach hinten ab.

Wir bestimmen auch die Spielkameraden

Unser Hund muss auch nicht mit jedem anderen Hund spielen, wenn wir das nicht wollen. Nicht jeder Hund versteht sich mit jedem anderen Hund. Wir sollten unseren Hund nicht den frommen Wunsch überlassen, dass sie das schon unter sich regeln können. Die Sprüche:

  • Die Regeln das unter sich.
  • Der hat Welpenschutz.
  • Das muss der lernen.

Nehmen wir freundlich lächelnd zur Kenntnis und greifen dann ein, wenn wir es für unseren Hund am besten halten. Und das ist eben nicht erst, wenn er blutet oder sein Gegenüber.

Solche Sprüche sollen unsere Verantwortung kleiner machen. Klar muss der das lernen, aber von mir. Unter sich was regeln muss kann blutig ausgehen (mit Besuch beim Tierarzt) und Welpenschutz ist so eine Sache, vor allem wenn Junghunde und Welpen unterschiedlicher Größe miteinander spielen. Natürlich muss unser Hund auch von anderen Hunden lernen. Aber muss ein kleiner und junger Welpe etwas von einem schlecht sozialisierten großen Rüden lernen? Kann ein 4 Monate alter Welpe von einem 8 Monate alten Junghund, der sich gerade in der Flegelphase benimmt, mehr lernen, als gemobbt zu werden?

Sind wir mit unserem Hund unterwegs, müssen wir immer aufmerksam bei ihm bleiben (mindestens mit Augen und Ohren), um ihm im Zweifelsfall zur Seite zu stehen. Nicht immer ist das Fangen und Nachlaufen, was da zwei Hunde auf der Wiese spielen. Es ist unsere Aufgabe, zu merken, wenn unser Hund wegläuft und nicht spielt.

Natürlich können wir ihn nicht vor allem beschützen. Wir müssen aber unseren 3 Kilogramm schweren Welpen nicht mit einem anderen Welpen spielen lassen, der vielleicht auch nur 12 Wochen alt ist, aber schon 7 Kilogramm schwer ist.

Grenzen setzen und konsequent sein

Aber das ist noch nicht alles. Wir müssen unserem Hund auch Grenzen setzen.

Wenn wir unserem Hund alles durchgehen lassen, er alles darf, er uns nur angucken muss, um alles zu bekommen, wir ihn beim kleinsten Widerstand seinerseits seinen Willen lassen, wie soll er dann darauf vertrauen können, dass wir gegenüber anderen, fremden durchsetzungsfähiger sind?

Wir brauchen also Grenzen, die wir ihm gegenüber auch durchsetzen (können bzw. wollen). Das ist vor allem ein Verhalten, was man leicht einüben kann. Zum Beispiel mit etwas, von dem man weiß, dass der Hund es gerne haben würde, zum Beispiel einer dieser Spielbälle, die mit Essbaren gefüllt werden. Normalerweise gibt man dem Hund diesen Ball, damit er nach und nach die Leckerlis herausfummelt. In diesem Fall ist das unser Ball, denn wir eben nicht abgeben. Es ist unser Ball und anhand diesem demonstrieren wir unserem Hund, dass wir etwas haben, was er gerne hätte, was wir ihm aber nicht geben, weil wir es beanspruchen. Der Hund lernt dann, dass wir schon mal in der Lage sind, etwas gegen ihn zu verteidigen. Damit wird sein Vertrauen wachsen, dass wir ein solches Verhalten erfolgreich auch außerhalb durchführen können. Wichtig ist es, dass dieses Experiment auch durchgezogen wird. Wer also nicht mehr aufmerksam seinen eigenen Leckerli-Ball bewachen kann, sollte ihn wegräumen. Man kann auch eine Papprolle füllen. Das Objekt sollte nur begehrenswert für den Hund werden.

Klare Ansagen machen

Wir müssen uns auch bewusst sein, dass der Kommunikation mit dem Hund Grenzen gesetzt sind. Wir können unseren Hund mit Worten loben und ihn doch gleichzeitig über den Tonfall oder sogar über den Gesichtsausdruck tadeln. Manchmal ist das sogar spaßig, wenn man Außenstehende reinlegen möchte, man tadelt den Hund mit bösen Worten, weil dieser gerade am unbeliebten Nachbarn hochgesprungen ist, aber in einem Tonfall, dass der Hund gerade lernt, dass er beim nächsten Mal doch noch ein wenig höher springen sollte. Wenn ich dem Hund eine Ansage mache und er diese nicht befolgt, sollte ich daher erst einmal überlegen, ob ich ihn nicht durch Tonfall, Körpersprache oder Signal verwirrt habe. Ich darf nicht einfach ärgerlich werden, wenn ich mein Signal im falschen Tonfall gebe und der Hund dadurch verwirrt wird. Ein solches Verhalten macht mich aus Hundesicht unberechenbar und unvorhersehbar. Und das würde mich wichtige Punkte beim Vertrauen kosten. Und ohne Vertrauen keine Bindung.

 

Rituale können helfen

Auch Rituale können helfen, eine Bindung aufzubauen. Denn Rituale geben dem Hund Sicherheit. Minutiös durchplanen muss man dafür seinen Tag mit Hund sicherlich nicht. Aber Teile des Tages können in Rituale bzw. Routinen gepackt werden: Aufstehen, Bad, Abstecher in die Küche, schöner Spaziergang mit dem Hund wäre ein Guten-Morgen-Ritual. Nach Hause kommen, in Ruhe die Schuhe wechseln, Handtasche und Jacke wegräumen und dann drei Minuten mit dem Hund kuscheln ist sicherlich ein schöneres Begrüßungsritual als kaum aus der Jacke herauszukommen, weil der Hund einen anspringt.

 

Überforderung vermeiden

Bei allem Spiel, Spaß und Ritualen, sollte man gerade zu Beginn dran denken, dass alles was neu ist, vom Hund gelernt werden muss. Lernen kostet Kraft und Aufmerksamkeit. Jeder Hund hat eine eigene Aufmerksamkeitsspanne, die man nicht überschreiten sollte. Wünschenwert wäre auch, eben die gemeinsamen Übungen, das Spiel, sogar die Kuscheleinheiten immer positiv zu beenden.

 

Und man muss nicht alles auf einmal ändern. Eine sichere Bindung entsteht sicherlich nicht über Nacht

Spielen und Kuscheln

Spielen stärkt die Bindung

Kommen wir zur guten Nachricht: Auch Spielen oder gemeinsam Jagen stärkt die Bindung zwischen Hund und Mensch. Wobei es aus Sicht des Hundes durchaus ein Spiel sein sollte, das er gerne spielt. Wenn wir ihn erst mit einem Leckerchen dazu bringen müssen, dann ist es kein echtes Spiel mehr.

Obedience Training

Obedience Training (Gehorsamsübungen) können helfen eine bereits vorhandene Bindung zwischen Mensch und Hund zu stärken. Es geht dabei nicht einfach darum, dass der Hund unsere Befehle ausführt, sondern eben auch um Vertrauen. Unser Hund muss unsere Kommandos verstehen und unsere Körpersprache lesen, um ausführen zu können, was wir von ihm möchten. Aber wir werden mit Obedience Training erst richtig erfolg haben, wenn wir eben auch auf die Körpersprache unseres tierischen Partners achten.

Hundesport

Was für Obedience Training gilt, gilt für jede Art von Hundesport, die man gemeinsam ausführt. Selbst beim Dog Dancing, Longieren und sogar bei gemeinsamen Wanderungen können Hund und Mensch an ihrer Kommunikation arbeiten. Und Kommunikation gehört zu Beziehung und Beziehung ist nun mal die Vorstufe zur Bindung.

Spaß mit dem Hund haben

Die Situation kennt jeder. Entweder aus eigener Erfahrung oder Beobachtung. Ein Hund jagt über eine Wiese und hat sichtbar Spaß bei seinem Spiel. Jagt er einen Schmetterling, einen anderen Hund, einen Schatten? Sein Herrchen steht mit hochrotem Kopf am Rand der Wiese und wird vom Hund vollständig ignoriert. Warum sollte der Hund auch hören? Tut er es, dann ist sein lustiges Spiel beendet. Für den Hund ist es gerade durchaus lohnender und angenehmer nicht auf Herrchen zu hören. Wer mit seinem Hund selbst spielt und ihm zeigt, dass man dabei richtig Spaß haben kann, bietet dem Hund eine Perspektive zu seinem Spiel ohne uns. Wenn der Hund den Eindruck hat, dass ohne uns alles mehr Spaß macht, warum sollte er dann zu uns kommen?

Kuscheln

Neben der Vermittlung von Sicherheit und gemeinsamen Spielen ist auch Kuscheln wichtig für eine starke Bindung. Auch bei Hunden wird bei Körperkontakt das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Und dieses Hormon reduziert nicht nur Stress, es hilft auch dabei, neue Informationen zu verarbeiten und lässt den Hund entspannen. Gerade Kontaktkuscheln ist hier, außer natürlich im Hochsommer, sehr beliebt.

Bindungsaufbau Hund Mensch auch durch Kuscheln.
Bindungsaufbau Hund Mensch auch durch Kuscheln. Kontaktkuscheln sehr beliebt.

 

 

Bindung zu älteren Hunden aufbauen

Nicht immer zieht ein Welpe ein, manchmal wird ein älterer Hund übernommen, ein erwachsener Hund aus dem Tierschutz oder Tierheim zum Beispiel. Oder man hat einen neuen Partner und der soll zum bereits vorhandenen erwachsenen Hund natürlich nicht nur eine Beziehung, sondern auch eine Bindung haben.

Auch hier gilt: Vertrauen schaffen, wichtig sein und dem Hund vor allem Sicherheit geben. Meist braucht man hier mehr Geduld, insbesondere wenn der Hund bereits schlechte Erfahrungen mit Menschen gemach hat. Dennoch gilt auch hier:

  • Druck und Strafe vermeiden.
  • Positives Verhalten belohnen.
  • Sich interessant für den Hund machen.
  • Wichtig für den Hund werden.
  • Mit konsequentem und für den Hund berechenbarem Verhalten Sicherheit geben.

 

Man sollte sich aber nichts vormachen, es kann lange dauern, bis man zu einem erwachsenen Hund, der eine problematische Vorgeschichte hat, eine sichere Bindung hat. Auf dem Weg dahin sollte man sich schon über erste Erfolge freuen. Von Kommentaren, dass ein alter Hund nichts mehr lernen kann, sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Manche ältere Hunde blühen richtig auf, wenn man ihnen endlich die Gelegenheit gibt, etwas lernen zu dürfen, sich beweisen zu können.

Pauschalisierte Tipps für den Bindungsaufbau beim älteren Hund lassen sich hier auch kaum geben. Zu einem älteren Hund eine Bindung aufzubauen, wenn man neu zu seinem Frauchen oder Herrchen zieht, ist meist unproblematisch. Zu einem erwachsenen Hund, der als Straßenhund schlechte Erfahrung mit Menschen gemacht hat, das ist deutlich schwieriger. Am Ende hilft aber auch hier vor allem Geduld.

Kritik: Ist eine Bindung Mensch – Hund überhaupt möglich?

Machen wir uns nichts vor, Mensch und Hund kommen zwar nicht von zwei verschiedenen Planeten, sie gehören aber nun mal zwei verschiedenen Arten an. Daher wird durchaus in Frage gestellt, ob Mensch und Hund überhaupt eine Bindung zueinander eingehen können. Ohne zu theoretisch zu werden: Vielleicht kann man das, was ein Mensch und sein Hund teilen, nicht mit dem Vergleichen, was zwei Menschen mit einander teilen, aber beinahe jeder Hundebesitzer, der sich nicht einfach nur einen Wachhund, einen Jogginghund, einen Jagdhund, einen Gebrauchshund ins Haus holt, wird es für möglich halten, eine Beziehung und sogar eine Bindung zu seinem Vierbeiner aufzubauen. .

Fazit Bindung zum Hund aufbauen und vertiefen

Bindung zum Hund aufbauen – das ist ein ständiger Prozess des Vorbild sein, richtig handeln und dem Hund wichtig sein. Mit richtigem und konsequenten handeln, kann man auch an einem vertiefen der bestehenden Bindung arbeiten. Dabei helfen auch Spielen und Kuscheln.

  • Wichtig ist auf Strafen zu verzichten.
  • Wichtig und interessant für den Hund zu werden.
  • Einsehen, dass Sicherheit zum Beispiel wichtiger als Fressen ist.
  • Dass sogar Spielen und vor allem Lernen wichtiger als ein gefüllter Fressnapf ist.
  • Der Hund uns besser vertrauen kann, wenn wir für ihn berechenbar sind.

 

Zum Weiterlesen Bindungstheorie